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Let’s talk!

Es begann am 7. September im ersten Corona-Herbst 2020. Christopher Peckham hatte einen YouTube-Talk ins Leben gerufen, den er „Comedians and the 80’s“ nannte (Comedian ist kein Begriff, der mich beschreibt, Komiker, damit könnte ich noch leben. Aber das war in diesem Falle zweitrangig). Die Action- und Science-Fiction-Filme der 80er-Jahre sind seine große Leidenschaft, Schwerpunkt Cannon-Films, also eher B-Pictures, die wegen ihrer, nun ja, völlig übertriebenen Inszenierungen maskuliner Gewalt und ihrer Mediokrität zu Kultfilmen wurden. Er fragte mich – über Instagram, meine ich – an, ob ich Lust auf einen Zoom-Talk über einen meiner absoluten Lieblingsfilme aus der Dekade hätte. Ich hatte und entschied mich für „Robocop“, diesen Dystopie-Hammer, den es lange Zeit nur in zensierter Version gab, wegen der expliziten Gewaltszenen. Das ist allerdings nicht (allein) der Grund, warum ich diesen Film so oft gesehen habe – und immer mal wieder gucke. Er ist ein hochintelligenter, fieser Kommentar auf übermächtige, regierungsnahe Konzerne, auf den Überwachungsstaat, auf unkontrollierbare Tech-Entwicklungen und auf die Verrohung in der Fernsehunterhaltung. Aus heutiger Sicht ist vieles leider von der Realität eingeholt, aber der ethische Diskurs trifft immer noch einen Nerv. Jedenfalls sprachen wir dann fast drei Stunden über „Robocop“, und danach kam sofort die nächste Anfrage, diesmal für eine Weihnachtsfolge, über „Die Harder“ und „Die Geister, die ich rief“. Die wurde dann allerdings überholt von einer Midnight Movie-Folge, über zwei meiner Lieblingshorrorfilme. Und dann starb plötzlich Sean Connery und wir machten ganz schnell eine Hommage an den ehemaligen Bond-Darsteller. Und schon hatten wir am Ende des Jahres vier Film-Talks aufgezeichnet.

Beim Weihnachtsspecial trafen wir uns zum ersten Mal zu viert im Zoom (Martin Sierp, Tobias Mann, Moderator Peckham und ich), das führte natürlich zu viel Durcheinandergerede und Pointenwettbewerb, es ging aber doch vorrangig um Film und Kino. Die Kombination dieser vier Filmfans, unsere unterschiedlichen Alter (meine ersten Kinoerfahrungen waren „King Kong gegen Godzilla“ [der von 1974], „Star Wars“ und „Grease“!), unsere unterschiedlichen Filmvorlieben, das funktionierte als Quasselformat so gut, dass das F-Team geboren war. Wir zeichnen immer noch F-Team-Folgen auf, es gibt ein Thema oder ein Genre, zu dem jeder Lieblings- oder Hassfilm oder beides mitbringt, und dann wird bis zu vier Stunden geredet.

Darüberhinaus produziert Peckham weiterhin Talks mit Sologästen, inzwischen auch international, bis jetzt sind es um die 80 Folgen, darunter auch aufgezeichnete Live-Talks und „Uncut“-Versionen vorher geschnittener Sendungen, für Filmfans, die nicht genug bekommen können von geballtem Nischenwissen. Die Optik ist den VHS-Präsentationen der 80er nachempfunden und wer sich als Film-Nerd bezeichnet, findet hier ein übervolles Füllhorn an Anregungen, Erinnerungen und Aufregungen. Dabei zu sein ist ein Riesenspaß (und manchmal echt viel Arbeit… ), aber ich sehe auch sehr gerne Folgen mit den anderen Talkgästen.

Das alles gibt es auf YouTube zu sehen, auf dem Kanal  Filmelei – Die Filmtalkshow

Shortcuts:

Filmelei UNCUT – Der Podcast – Hanno Friedrich über „Robocop“ (1987)

Midnight Movie Special – Folge 07 – Hanno Friedrich – Martyrs (2008) & Return of the Living Dead 3

Das Rocky Balboa Special – Der Filmtalk mit Hanno Friedrich über die Stallone Saga

Filmelei UNCUT – Das HORRORFILM Special – Tobias Mann, Hanno Friedrich & Martin Sierp – Halloween

007 JAMES BOND – Daniel Craig SPECIAL – Von „Casino Royale“ bis „No Time To Die“

Filmelei UNCUT – Das Western Special – Wilde Cowboys, echte Kerle – Tobias Mann, Hennes Bender ua.

Das SCHWARZENEGGER Special – Der Mann, der Mythos, die Filme – Von Terminator bis Expendables

Filmelei UNCUT – Die besten Filme der 90er Jahre – Mit Tobias Mann, Hanno Friedrich und Martin Sierp

BAGHDAD INTERNATIONAL THEATRE FESTIVAL

Als uns der Wiesbadener Intendant Uwe-Eric Laufenberg Ende September 2021 zu einer internen Besprechung bat und uns sagte, dass wir im November mit TYLL zum 2. Internationalen Theaterfestival im Irak eingeladen wären, waren die Reaktionen im Ensemble gespalten: die Einen so: „Wie geil!“, die Anderen eher stark zweifelnd. Ich gehörte zur zweiten Gruppe, ich dachte, dass wir unter den gegebenen Umständen unseren visuell, akustisch und bühnentechnisch doch anspruchsvollen Theaterabend nur „abgespeckt“ zeigen könnten, und dann der Zauber verloren geht. Denn unser Bühnenbild konnten wir auf keinen Fall mitnehmen, es würde vor Ort soweit es geht nachgebaut werden. Unser Ansprechpartner, der kurdische Regisseur und Schauspieler Ihsan Othmann hatte auf die Fragen der Zweifler und Zauderer meistens folgende Antwort: „Da wird einiges improvisiert werden müssen; das machen wir schon möglich; keine Ahnung, ob das geht.“ Wir spielen auf nassem Torf: „Wir haben Sand“, wir brauchen schwer hängende bemalbare Papierbahnen in sieben Zügen: „Papier gibt’s natürlich im Irak, was denkt ihr denn? Aufhängungen wird’s allerdings nicht so viele geben.“ Was ist mit der Technik: „Naja, die ist auf dem Stand von 1975. Falls sie funktioniert.“
Weil ich mit dem Regisseur Tilo Nest die Theaterfassung von Kehlmanns Erfolgsroman TYLL geschrieben hatte und auch von Anfang an bei der Konzeption mit im Boot war, liegt mir unser TYLL sehr am Herzen. Von Zuschauerreaktionen wusste ich, wie überwältigt und bewegt das Publikum auf unserem Abend reagiert, ich glaubte, der Anwalt des Regisseurs sein zu müssen und meinte, wenn wir das nicht einszueins transportieren könnten, brauchten wir gar nicht anzutreten, weil es dann irgendwie deutsches Sprechtheater (vielleicht sogar ohne komplettes Kostüm, ohne Toneinspieler?) in einem arabischen Land würde, wer will das sehen, wer soll das verstehen?  Die nächste Ansage war dann: ihr müsst kürzen, und ihr könnt keine Pause machen, die Leute denken sonst, es ist zu Ende und gehen nach Hause. Hat mich auch nicht gerade überzeugt. Der Intendant war der Meinung – stark verkürzt – „Ihr Schauspieler tragt das mit eurem Spiel, ihr könnt das auch im Trainingsanzug rüberbringen, Hauptsache der Lappen geht hoch.“ Das fand ich doch sehr leichtfertig. Dazu mischten sich meine Bedenken in Bezug auf unsere Sicherheit, die Reisewarnungen auf der Website des Auswärtigen Amts quellen über von Begriffen wie: terroristisch, volatil, professionelles Sicherheitskonzept, kriminelle Gewalt und gipfeln in Aussagen wie „Meiden Sie Bewegungen nach Einbruch der Dunkelheit.“ (Da musste ich schon etwas schmunzeln – wirklich jede Bewegung? Was ist mit dem Gang zu Getränkehandlungen – die dort gigantisch sind; und bewacht – um Bier zu kaufen, oder gar dem Griff zum Bier, ist ja auch eine Bewegung? Militärsprech eben.) Ganz zu schweigen von der unübersichtlichen Corona-Situation.
Meine Frau, die Theaterfotografin, sagte sofort, da komme sie mit, um alles zu dokumentieren, ich meinte aber, es reicht, wenn ein Elternteil bei einem Selbstmordattentat des IS umkommt. Das nächste Problem war, dass wir in der kurzen Zeit bis zum Beginn des Festivals keine Visa bekämen, aber wir wären schließlich Staatsgäste und hätten unsere schriftliche Einladung dabei. Schnell wurde versucht, mit den Organisatoren und technischen Leitern des Nationaltheaters Kontakt aufzunehmen, um herauszufinden, was vor Ort möglich sein würde. Glücklicherweise ist einer der jungen Lichttechniker in Wiesbaden irakstämmig, spricht beide Sprachen fließend und konnte übersetzen, aber so richtig auf einen grünen Zweig kam man nicht. Sicher war aber: die schwebenden Bühnenbildelemente waren nicht machbar, außerdem würden neue Licht- und Tontechniker das Stück „fahren“, die die Inszenierung nicht kannten. Kostüme müssten wir im Privatgepäck mitnehmen, viel private Kleidung brauche man nicht, es sei noch schön warm in Bagdad; wir spielen das Stück barfuß, zu Beginn tragen wir allerdings schwarze Boots, müssen wir aber auch nicht mitnehmen (das Gewicht!), denn Schuhe gibt’s auch im Irak. Am Ende aller Gespräche war mir klar, wenn sich die meisten dafür entscheiden, werde ich die Mehrheitsentscheidung mittragen. Trotz meiner Angst. Also, auf nach Bagdad.
Tilo und ich schrieben dann eine neue Fassung, wir verabschiedeten uns von ein paar Szenen, kürzten andere, änderten die Reihenfolge, und dann wurde durchgesprochen. Zwei Tage im Theaterfoyer (denn alle Bühnen und Probebühnen waren belegt) mit den neuen Technikern, drei Tage vor Abflug nach Bagdad. Das war wirklich alles mit ganz heißer Nadel. An darauffolgenden Sonntag dann der neunstündige Flug mit Qatar Airways samt Umstieg in Doha (Qatar). Am Flugschalter in Frankfurt hieß es, ohne Visum können Sie aber nicht einreisen, streng genommen können wir Sie gar nicht einchecken. Unser Dramaturg, der auch als Reiseleiter fungierte, musste viel erklären, die offizielle schriftliche Einladung wurde zu den Vorgesetzten durchgereicht, das Theaterfestival war allen völlig unbekannt, aber irgendwann wurde unserer unglaublichen Geschichte Glaube geschenkt und wir durften in den Sicherheitsbereich. In Bagdad das gleiche Spiel, 2:55 Ortszeit, es wurde viel diskutiert, telefoniert, die bewaffneten Sicherheitskräfte wurden mithinzugezogen, denn im Privatgepäck befanden sich der metallene Brustpanzer vom Schwedenkönig Gustav Adolf (Kostüm), schwarze Pigmente zum Abmischen der auswaschbaren Farbe, mit der wir auf der Bühne die – hoffentlich vorhandenen – Papierbahnen bemalen würden (verdächtiges Pulver), 1 Liter Theaterblut (sowieso verdächtig). Und niemand kannte das Internationale Theaterfestival! Zum Glück hatten wir einen Muttersprachler dabei, nicht vorstellbar, was wir ohne ihn getan hätten. Wir warteten sehr lange, bis wir alle unser Visum im Pass hatten, denn als wir an unserem Hotel, dem Al-Mansour-Hotel, in Bagdad ankamen, ging langsam die Sonne auf und der Muezzin rief zum ersten Gebet.
Am Nachmittag besuchten wir unsere erste Theatervorstellung „Supermarkt“ aus Syrien, eine Bearbeitung Dario Fos „Bezahlt wird nicht“. Wir staunten: es gibt keine Tickets, jeder, der möchte, kann ins Theater, der Saal des Al-Raschid-Theaters ist riesig, auch während der Vorstellung ein ständiges Kommen und Gehen, viel Zwischenapplaus, vereinzelt Zwischenrufe, es wird gefilmt, fotografiert, geSMSt, und kaum, aber doch, telefoniert. Am Ende dann kurzer heftiger Applaus, viele Zuschauer verlassen den Saal sehr schnell, aber ebenfalls sehr viele: stürmen die Bühne, reden mit den Schauspielern und machen Fotos. Das war schon ungewöhnlich. Dachten wir. Denn bei der Nachmittagsvorstellung am folgenden Tag passierte dasselbe, die Zuschauer waren sogar noch euphorischer, die irakische Inszenierung „Yes Godot“, eine Beckett-Paraphrase, war anscheinend voll mit aktuellen und politischen Anspielungen und traf den Nerv des einheimischen Publikums, wieder wurde die Bühne nach Vorstellungsende erobert.
Am Mittag hatten wir unsere Bühne im Nationaltheater begutachtet, die deutschen und irakischen Techniker hatten nach der Vorstellung am Abend vorher begonnen, den Bühnenraum vorzubereiten und überraschten uns mit einer Bühnenfläche voll Sand, mit hängenden Papierbahnen in vier Bühnenzügen, die Lichteinrichtung war annähernd original, der Ton und die Musik klangen nahezu perfekt. Sie hatten uns sogar einen Zug mit den unbedruckten Zeitungspapierbahnen eingerichtet, um das Papierverhalten zu testen, wenn wir darauf malten, die unteren Enden waren umgeklebt, damit sie schwerer fielen, und auch das Malen funktionierte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Während unserer Gesangsprobe auf der Bühne fiel dann der Strom aus, im gesamten Haus. Könnte das auch während unserer Vorstellung passieren? Natürlich! Das riesige Haus, das höchstens fünfmal im Jahr von freien Gruppen bespielt wird, ist in desolatem Zustand. Das ist besonders im Hinterbühnenbereich spürbar. Duschen: Fehlanzeige, Toiletten: kann man so eigentlich nicht nennen, Garderoben: unsere Gruppe sucht sich den am wenigsten heruntergekommenen Raum aus, in dem es funktionierende Steckdosen gibt. Trotzdem ist die Stimmung sehr gut, wir sind alle begeistert von der Gastfreundschaft, wir haben uns frei in Bagdad bewegt und schon jetzt viele Eindrücke gesammelt, nach unserer Vorstellung sind wir noch zwei Tage hier und werden weiterhin Theater aus dem arabischen Raum sehen und die Stadt erkunden.
Zwanzig Minuten vor Vorstellungsbeginn wird ein großer Plastiksack vorbeigebracht, darin alte Schuhe. Wundervollerweise finden alle ein passendes Paar. Unser TYLL am Abend fühlt sich dann fast original an, trotz Kürzungen, Umstellungen und vereinfachter Bühne. Ab der ersten Minute haben wir das Gefühl, das der vollbesetzte 1000 Personen fassende Zuschauerraum völlig konzentriert unserem Spiel folgt. Übertitel, geschrieben von unserem Dramaturgen, übersetzt von unserem Lichttechniker, fassen die gespielten Szenen auf arabisch zusammen und helfen sicherlich beim Verständnis. Nach einer Stunde und fünfzig Minuten Spielzeit fährt das Licht langsam herunter, wir Schauspieler sind in einem letzten großen Schlachtengemälde im Dreißigjährigen Krieg umgekommen und liegen im Sand, der westfälische Friede ist geschlossen und die beiden Schauspieler des alten und des jungen Tyll gehen nach hinten ins Dunkel ab. Es ist kurz still und dann bricht ein Orkan los, das Publikum jubelt und schreit, bald stehen alle und wir können es eigentlich nicht fassen. Wie haben wir die nur erreicht, auf welche Reise sind die da gerade mit uns gegangen? Wir verbeugen uns drei, viermal, nicht abgehen wurde uns gesagt, dann würden auch die Zuschauer gehen, und schon wird die Bühne gestürmt. Wir werden umarmt, fotografiert, Junge und Alte, Frauen wie Männer machen Selfies mit uns, und plötzlich stehen wir vor Kameras und Mikrofonen und sollen erzählen, wie es uns geht, wie wir den Abend erlebt haben und wie wir Bagdad finden. Wir sind vollkommen euphorisiert. Die Zuschauer, die englisch oder französisch sprechen, das sind nicht wenige, teilen ihre Begeisterung mit uns.
Und ich frage mich, was für Bedenken ich überhaupt hatte, wo kamen meine Zweifel und Ängste her? Nicht nur die Liebe und die Musik, auch die Theaterkunst scheint eine universelle Sprache zu sein. Uns und unseren Gastgebern wurde erlaubt und ermöglicht eine Brücke zu schlagen. Der Hunger nach Kultur und Theater hat Menschen zusammengebracht, die sich normalerweise nie begegnen könnten. Beim öffentlichen Kritikergespräch am nächsten Morgen wird dann tatsächlich sinngemäß gesagt: „Wenn wir unsere Schauspieler so gut ausbilden, können wir es wagen, unsere Politik zu kritisieren. Dann können wir unser Land verändern und dadurch die Welt.“ Uns Schauspielern ist klar geworden, wie relevant unser Beruf doch sein kann, und wir waren uns alle einig: Wir würden wieder hinfahren.

Oben ohne bei den RENTNERCOPS

Frank Brock!

Schon der Name ist verheißungsvoll. Wir wissen seit langem, dass Figuren, die Frank heißen, schlimme Finger sind: Frank Booth in BLUE VELVET, Henry Fondas Frank in SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD, Frank Miller in HIGH NOON, Frank Zito in MANIAC! Und der erste und bekannteste Wirt von Venom hieß Eddie Brock (gut, das ist jetzt nur was für Connoisseurs…). Also Frank Brock – man möchte es amerikanisch aussprechen – so heißt meine Rolle in der RENTNERCOPS-Episode „Auf den Hund gekommen„. Frank ist eigentlich Zuhälter, und wie der Ermittler Rainhard Bielefelder sagt, seine ‚Pferdchen laufen gut.‘ Aber manchmal muss es eben etwas mehr sein, deshalb betreibt Brock auch illegales Glücksspiel, Juwelenraub und was so dazugehört. Er wohnt mit seiner Perle in einem Minipalast mit eigenem Schwimmbad (nicht nur Pool) im nicht gerade für seine Geschmackssicherheit wohlhabenden Süden von Köln. Dort wird er von den RENTNERCOPS aufgesucht, während er im Wasser dümpelt. Und das war natürlich ein Heidenspaß am Set: großer Schwimmreifen, knappe Speedo, völlig sinnfreie Tattoos (schon wieder Tattoos…), dicke Goldkette. Auch darüberhinaus ist er eher unangenehm und wird schon bald wegen Mordes verdächtigt.

Brock ist ein neues Prachtexemplar für mein Rollenprofil ‚Die größten Arschlöcher Deutschlands‘. Und für mich ein Wiedersehen mit Mit-Bonner Bill Mockridge, der zusammen mit Hartmut Volle das neue RENTNERCOPS-Duo bildet. Tolle humorbegabte Regie von Janis Rebecca Rattenni.

Am 17.11.21 im Ersten.

Danach noch bis Mai in der Mediathek:

RENTNERCOPS – Auf den Hund gekommen

Schillers WALLENSTEIN am Staatstheater Wiesbaden

WALLENSTEIN sind eigentlich drei Stücke von Friedrich Schiller: WALLENSTEINS LAGER, DIE PICCOLOMINI, WALLENSTEINS TOD. So etwas (fast) ungekürzt spielen zu lassen, hat sich zuletzt Peter Stein 2007 in Berlin getraut. Waren dann auch 10 Stunden. Am Staatstheater Wiesbaden darf ich wieder auf die Bühne, diesmal als Buttler in WALLENSTEIN in der Regie von Nicolas Brieger, für den ich schon Sultan Saladin in der NATHAN DER WEISE ebendort spielen durfte. Wir machen allerdings lediglich DIE PICCOLOMINI und WALLENSTEINS TOD und auch mit Kürzungen. Für mich ebenfalls ein weiteres Duett mit meinem Kollegen Tom Gerber, nach NATHAN und RICHARD III.

Buttler ist einer der treuesten Generäle Wallensteins und ein kompromissloser Krieger. Getrieben von Stolz, Minderwertigkeitsgefühlen und Rachegedanken wird er am Ende zum Mörder Wallensteins. Eigentlich ist er einer, der durch die Hölle geht und andere in die Hölle schickt. Er ist unkultiviert und laut und trotz aller Treue ein Einzelgänger, der sich nie scheut, die Hände blutig zu machen.

Nach über einem Jahr erzwungener Bühnenlosigkeit (wir wissen warum) war diese Arbeit ein fantastisches Erlebnis, intensiv, fordernd und, tja, ein enormer Spaß mit meinen Kollegen unter der klugen und genauen Regie von Nicolas Brieger.

Premiere am 2. Oktober 2021.

WALLENSTEIN am Staatstheater Wiesbaden

Episodenhauptrolle bei IN ALLER FREUNDSCHAFT

Im Drehbuch stand: Michael Kramer, „der vor allem im Schulter und Oberarm-Bereich – mit diversen Tattoos verziert ist.“ Da musste natürlich einiges dazu gemalt werden. Ich war also einen ganzen Tag vor Drehbeginn in Leipzig und dann wurden unter Corona-Bedingungen großflächig Tribals aufgebracht. Die Assoziationen gingen von LKW-Fahrer bis Rocker. Michael Kramer ist aber ein Ex-Knacki (Totschlag), der vom Hausarzt auf Station überwiesen wird mit Verdacht auf Krebs. Einer, der erstmal sehr hart und unnahbar rüberkommt, dessen Panzer aber bröckelt, wenn er allein ist. Mit seinem 30 Jahre jüngeren Zimmergenossen liefert er sich schöne Sprachscharmützel, und am Ende haben beide dazu gelernt – und eine Familie zurückgewonnen.

Lustigerweise habe ich genau einen Monat später dann RENTNERCOPS in Köln gedreht und wurde wieder stark tätowiert, vielleicht ist das jetzt mein neues Fach…

Am 16.02.2021 in Das Erste, 21:15
Danach in der Mediathek:
In aller Freundschaft – Sein oder Nichtsein

Unten mit Thomas Rühmann und Katharina Stark, meiner Filmtochter

TYLL beim Faust-Preis

Die Nominierungen für den FAUST-Theaterpreis sind raus. Bühnenvereins-Präsident Ulrich Khuon sagt: „Der Deutsche Theaterpreis DER FAUST macht auf die herausragenden künstlerischen Leistungen aufmerksam, die im vergangenen Jahr in ganz Deutschland geboten wurden. Diese Leistungen wurden vor der Corona-Pandemie vollbracht und dürfen nicht vergessen werden. Wir sind sehr froh, dass die Veranstaltung überhaupt stattfinden kann.“ Eine der drei Nominierungen für Regie Schauspiel gab es für unseren Regisseur Tilo Nest für TYLL am Staatstheater Wiesbaden. Das macht aber auch mich sehr glücklich, weil Tilo (mein Mittäter vonn ABBA Jetzt!) und ich gemeinsam das Stück nach dem Roman von Daniel Kehlmann geschrieben haben. Die Arbeit daran war ein mehrmonatiger Parcours aus Zusammenwohnen, Mal-Was-Trinken und online-Meetings, bevor diese überhaupt zum Standard wurden. Die Aufführungen im Großen Haus waren fast immer ausgebucht, und jetzt ist erstmal alles abgesagt, weil das Stück mit den Hygienevorgaben nicht gespielt werden kann. Also kann man den TYLL eventuell vor der Preisverleihung am 21. November gar nicht sehen. Skurril…

Mein Leben als Podcast(s)

Mi Hae Lee kenne ich schon sehr lange, wir sind uns zum ersten Mal bei einem Independent Science Fiction-Projekt begegnet, wo wir Regent und Referentin in einem dystopischen Unrechtsstaat gespielt haben. Es war 2014 und der Film ist nie fertig geworden. 2016 haben wir für die Singer-Songwriterin Lady Jane (Jana Reiß) einen ihrer Songs als Duett produziert und einen Video-Clip dazu produziert: THE SWEETEST. Mi Hae produziert seit geraumer Zeit einen Podcast, in dem sie Kreative zu ihrem Werdegang interviet, Biographisches herauskitzelt und Tipps für den Nachwuchs erfragt. Im Corona-Sommer war ich dort zu Gast und herausgekommen sind 1h 10m Persönliches in Bild & Ton & Wort:

YouTube
Spotify
DreiBlick Fragebogen

Das alles unter der Überschrift: „Fails sind immer interessanter…“.

Dieses Thema zieht sich auch durch den Spielplatz-Podcast. Als Finale der zweiten Staffel des wunderbaren Podcasts SPIELPLATZ der beiden Schauspieler Cedrick Sprick und Christoph Laubisch quatsche ich fast eineinhalb Stunden sehr privat über meinen Werdegang als Schauspieler, von der Schauspielschule (1989-1993) bis jetzt, mit allen Umwegen, Glücksfällen, Fehlentscheidungen, Glücksfällen, Rückschlägen und Erfolgen. Die beiden haben  mich zuhause besucht, ihr Equipment aufgestellt, und dann gab’s kein Halten mehr. Viel gelacht haben wir natürlich auch. Wenn man sich für unseren Beruf mit all seinen Randbereichen interessiert, gibt es fast kein besseres Programm als diesen Podcast, denn Glamour und Applaus ist eben nur ein winziger Bruchteil eines komplexen Lebensentwurfs, bei dem auch Einige auf der Strecke bleiben und ihre Träume nicht erfüllen.

Wenn man eine Folge gehört hat, ist man fast schon süchtig, es lohnt sich, den kompletten Podcast durchzuhören.

Auf Spotify HIER und auf podcast.de HIER

ENDLICH ALLEIN jetzt endlich online

In 2007 habe ich meinen ersten eigenen Kurzfilm gemacht. Er entstand, weil ich einen gewissen Comedy-Ennui entwickelte und der Cutter von SECHSERPACK, Steffen Wimmers, mit dem ich mich privat angefreundet hatte, herumfragte,  ob nicht jemand eine Idee in einer Schublade hat. Genau wie ich ist er Genrefan und wollte etwas anderes machen als Sketchformate für den Bällchensender. Also wurden wir Partner, er für die technische Seite und Regie, ich als Ideenfex, und nannten uns ZENON-PRODUKTION. So entstand MOEBIUS und später weitere kleine Zerobudget-Shorties. 2015 kamen wir dann mit dem Regisseur Martin Przyborowski zusammen (den wir auch von SECHSERPACK kannten und bei dessen erstem Kurzfilm ALTAIR ich die Hauptrolle spielte), und ich startete als Produzent und Allesorganisierer eine Startnext-Kampagne, um mein Drehbuch zu ENDLICH ALLEIN zu realisieren. Tatsächlich bekamen wir unseren Wunschbetrag zusammen und drehten dann drei Tage lang in Bonn. Das hieß für mich drei Tage keinen Schlaf, hundert Sachen gleichzeitig machen und auch noch mitspielen. Als Schauspieler konnte ich die Leinwandgöttin Saralisa Volm, die ich aus Klaus Lemke-Filmen kannte, und Frank Streffing überzeugen, mitzumachen. Bis der Film die Postproduktion mit allem Zipp und Zapp hinter sich hatte, verging dann noch ein Jahr, weil alle Beteiligten als Selbstausbeuter in ihrer Freizeit arbeiteten.

Ein Festival-Erfolg war’s nicht, sag ich mal. Und damit unser Film nicht völlig in der medialen Versenkung verschwindet, steht er jetzt online auf unserer Zenon-Produktion-Website.

Hier der Link

Premieren auf der Berlinale 2020

Auf der diesjährigen Berlinale feiern zwei Fernsehformate Premiere, in denen ich letztes Jahr mitspielen durfte. Zugegebenermaßen eher kleine Rollen… aber die wollen ja auch gut gespielt sein, gelt? Im Berlinale Series Market Screening wird die ZDF-Neo-Serie DUNKELSTADT vorgestellt. Eine sogenannte Neo-Noir, in der Alina Levshin als Privatermittlerin sich nicht nur ihren Dämonen stellen muss, sondern auch in die Abgründe einer kaputten Gesellschaft schaut. Dystopisch und lakonisch mit stylishen Bildern, was will man mehr? Ihr Vater, ein Polizist, wurde im Einsatz getötet, eventuell steckt mehr dahinter, den Vater spiele ich, sozusagen als Phantom. Ab dem 26.02.2020 um 21:45 auf ZDFneo und ab dem 28.02.2020 gegen Mitternacht im ZDF jeweils im Wochenrhythmus. Ab dem 26.02.2020, 10:00 werden auch alle Folgen in der ZDFmediathek online sein.

Im European Filmmarket läuft der Event-Dreiteiler UNSERE WUNDERBAREN JAHRE, der im März im Ersten zu sehen sein wird.

Beide Serien wurden im Ausland gedreht, DUNKELSTADT in Antwerpen und JAHRE in Žatec (Saaz) in Tschechien. Beides berühmte Bierstädte mit guter Küche, das war alles sehr erfreulich.

Premiere beim Max Ophüls Preis 2020

Die Geschichte von UNTER TANNEN ist nun fast vier Jahre alt. Thomas Scherer (WP Films) drehte 2016 eine Pilotfolge als Abschlussarbeit. Dann bekam er 2017 den Zuschlag vom SR, eine Miniserie zu produzieren. Allerdings erst einmal nur drei Folgen (die erste Folge musste neu produziert werden). Diese wurden zwischen den Jahren ausgestrahlt, zur Irritation der Zuschauer eine Geschichte ohne Ende. 2018 wurden 1 1/2 (eineinhalb) weitere Folgen gedreht, die die Geschichte zu einem vorläufigen Ende brachten. Diese 4 1/2 (viereinhalb) Folgen wurden zu vier ca. 23minütigen Folgen umgeschnitten, welche im Februar 2019 im SR liefen. So.

Auf dem 41. Filmfestival Max Ophüls Preis 2020 feiert jetzt die Spielfilmfassung ihre Premiere.

In der Saarbrücker Zeitung ist zu lesen: ‚Thomas Scherer, der Autor und Regisseur der Serie, hat nun aus knapp 130 Serienminuten einen 90-Minüter kondensiert (finanziell unterstützt von den Saarland Medien). Eine knifflige Aufgabe, „vor der ich mich ziemlich lange gedrückt habe“, wie Scherer sagt. Denn wie kürzt man, ohne Spannungsbögen abzuflachen, wie baut man den Film neu auf? „Wir haben viel herumprobiert, Sachen rausgenommen, wieder reingenommen, anders montiert“, erklärt der 29-Jährige – und von manchen Szenen, die ihm am Herzen lagen, musste er sich trennen. „Andererseits: Einige Szenen, mit denen ich in der Serie nie ganz glücklich war, konnte ich jetzt rausschneiden.“ Auch einige bisher nicht verwendete Einstellungen sind nun im Film, zudem hat Michael Firmont einige neue Musik geschrieben.“ Wer die Serie also gut kennt, „wird im Kino trotzdem ein neues Sehgefühl bekommen“, verspricht Scherer.‘

Tja, und vielleicht geht’s bald weiter… mit einem Weihnachtsspecial.